Angesichts der drohenden Mittelkürzungen des Bundes stellte der ETH-Rat an seiner Sitzung vom 1./2. März 2010 die Zuteilung der Mittel 2011 an die beiden ETH und die vier Forschungsanstalten (PSI, WSL, Empa und Eawag) zurück. Mit Blick auf das zukünftige Forschungs- und Innovationsförderungsgesetz (FIFG) fordert der ETH-Rat, dass die Grundlagenforschung in demselben Mass gefördert wird wie die angewandte Forschung.
An seiner Sitzung vom 1. und 2. März 2010 hat der ETH-Rat, das strategische Führungs- und Aufsichtsgremium des ETH-Bereichs, zusammen mit den Institutionen des ETH-Bereichs die Fertigstellung der strategischen Planung 2012-2016 vorangetrieben. In deren Rahmen misst der ETH-Rat spezifischen grossen Projekten der Grundlagenforschung hohe Bedeutung zu. Wie bereits früher kommuniziert gehören dazu:
- die von der ETH Zürich geführte weitere Umsetzung der Strategie Hochleistungsrechnen (HPCN),
- der Freie Elektronen-Laser SwissFEL am PSI und
- das Neuroinformatik-Projekt BlueBrain an der EPFL.
Solche Projekte der nationalen Forschungsinfrastruktur sind entscheidend, um in der Schweiz die Innovationskraft und die Wettbewerbsfähigkeit künftiger Industrien zu erhalten. Das von der Gesellschaft und Politik verlangte Wachstum bei der Ausbildung muss jedoch ebenfalls finanziert werden, was angesichts der aktuellen Budgetsituation des Bundes eine Herausforderung darstellen wird.
Mit Blick auf die Ausbildung hat der ETH-Rat acht Professorinnen und Professoren an der ETH Zürich und an der EPF Lausanne ernannt.
Bedeutung der Grundlagenforschung nicht schwächen
Der ETH-Rat begrüsst sodann den Entwurf für ein neues Forschungs- und Innovationsfördergesetz (FIFG). Es wird die rechtlichen Grundlagen an die heutige Realität anpassen. Für den langfristigen Erfolg von Wissenschaft und Innovation in der Schweiz hält es der ETH-Rat jedoch für entscheidend, dass die Grundlagenforschung im neuen Fördergesetz explizit erwähnt ist. Ihre Förderung soll mit jener der angewandten Forschung gleichwertig sein. «Grundlagenforschung beginnt mit dem natürlichen Wissensdrang des Menschen. Ihr Wert besteht in der Erschliessung des nicht vorhersehbaren Neuen. Damit ist sie ein elementarer Bestandteil unseres kulturellen Erbes und, als Basis jeder Innovation, eine echte Zukunftsversicherung für die Schweiz – und somit per se förderungswürdig», sagt Dr. Fritz Schiesser, Präsident des ETH-Rats.
Da internationale Forschungsprojekte und grenzüberschreitende Kooperationen für Forschung und Innovation in der Schweiz immer wichtiger werden, fordert der ETH-Rat, dass die Förderagentur für Innovation des Bundes (KTI) in der internationalen Forschungsförderung die gleichen Kompetenzen erhält wie der Schweizerische Nationalfonds (SNF). Analog fordert der ETH-Rat im Hinblick auf bestehende und künftige strategische Allianzen, dass die so genannten «Forschungsinstitutionen von nationaler Bedeutung» (z. B. das Schweizer Zentrum für Elektronik und Mikrotechnik CSEM) durch das neue Gesetz finanziell nicht schlechter gestellt werden dürfen als heute.
Institutionen des ETH-Bereichs vertiefen Zusammenarbeit
Ebenfalls mit Blick auf die Strategische Planung 2012-2016 hat der ETH-Rat sich mit verschiedenen Evaluationen und Zwischenberichten zu den Leistungen des ETH-Bereichs befasst. Er hat dabei erfreut festgestellt, dass die Institutionen des ETH-Bereichs ihre Zusammenarbeit im ETH-Bereich selbst und mit anderen Hochschulen ausgebaut haben.
Der ETH-Rat hat auch sein im Sommer 2009 lanciertes Projekt zur Stärkung des gemeinsamen Auftritts der Institutionen des ETH-Bereichs bestätigt. Auf der Basis eines Zwischenberichts über die Wahrnehmung des ETH-Bereichs bei verschiedenen Zielpubliken lässt er nun verschiedene Massnahme für einen effektiven und koordinierten nationalen und internationalen Auftritt ausarbeiten. ETH-Ratspräsident Fritz Schiesser sagt dazu: «Die Zusammenarbeit der sechs Institutionen des ETH-Bereichs schafft für die Schweizer Volkswirtschaft einen grossen Mehrwert und trägt viel bei zur internationalen Attraktivität des Forschungsstandorts Schweiz. Unsere Umfragen zeigen, dass wir zwar die Marken der zwei Hochschulen und vier Forschungsanstalten nicht fusionieren sollen, aber unseren gemeinsamen Mehrwert besser darstellen müssen.»
Im Speziellen hat der ETH-Rat auch verschiedene Evaluationen zur Kenntnis genommen, davon jene des bereichsweiten Kompetenzzentrums für biomedizinische bildgebende Verfahren (National Competence Center for Biomedical Imaging NCCBI). Dabei stellt der ETH-Rat fest, dass die Zusammenfassung der Imaging-Kompetenzen von ETH Zürich, EPF Lausanne und Paul Scherrer Institut unter einem gemeinsamen Dach sowohl die internationale wissenschaftliche Exzellenz gestärkt hat als auch die multidisziplinäre biomedizinische Forschung im ETH-Bereich.
Mittelzuteilung 2011 zurückgestellt – Kürzungen des Bundes gefährden die Auftragserfüllung
Der ETH-Rat hat kurzfristig davon Kenntnis erhalten, dass der Bundesrat die von der Vierjahresplanung vorgesehene Jahrestranche 2011 substantiell zu kürzen beabsichtigt. Für die Institutionen des ETH-Bereichs schafft dies eine schwierige Situation. Der ETH-Rat hat die Mitteilzuteilung 2011 daher zurückgestellt. Der ETH-Rat erinnert daran, dass z.B. die Personalausgaben (rund 70% des Budgets des ETH-Bereichs) im bundesnahen Bereich nicht einfach gekürzt werden können. Bedeutende Zahlungen des ETH-Rats sind zudem von der Politik für einzelne Projekte vorgeschrieben, so dass der Spielraum des ETH-Bereichs zu eng ist. ETH-Ratspräsident Fritz Schiesser hatte bereits in seiner früheren Aufgabe als Mitglied des Ständerats darauf hingewiesen, dass Bildung und Forschung langfristiger Natur sind und ihre Finanzierung nicht jährlich zum Spielball werden darf. Mit Blick auf die Auswirkungen für die Wirtschaft sagt der Vizepräsident des ETH-Rats, Prof. Dr. Paul L. Herrling: «Die Schweizer Wirtschaft ist auf Top-Nachwuchs aus der Grundlagenforschung und aus den angewandten Disziplinen des ETH-Bereichs angewiesen. Als Wirtschaftsvertreter freue ich mich über das Wachstum der Studierenden an den beiden ETH in relevanten Fächern. Die beiden ETH machen keine Qualitätsabstriche, benötigen dafür aber auch ausreichendes Personal und entsprechende finanzielle Mittel.»







