Die Zusammenarbeit hervorragender Fachexpertinnen und -experten aller Bildungsstufen, das Bekenntnis zur internationalen Exzellenz von Lehre und Forschung und die langfristige Bereitschaft zur Investition in Grossforschungsanlagen erachtet der ETH-Rat als wichtige Voraussetzungen für den langfristigen Erfolg des Forschungs- und Innovationslands Schweiz.
Zum Auftakt seiner vierten Sitzung im laufenden Jahr hat der ETH-Rat, das strategische Führungsgremium des ETH-Bereichs, am 23. September 2009 die Lancierung des Picosatelliten «Swiss Cube» durch die Europäische Weltraumorganisation ESA als grossen Erfolg der Schweizer Raumforschung gewürdigt. «Swiss Cube» ist ein Gemeinschaftsprojekt von Studierenden der EPF Lausanne und verschiedener Fachhochschulen. «Studierenden-Initiativen, die sich im internationalen Vergleich durchsetzen, sind das beste Beispiel, dass eine forschungsnahe und projektorientierte Lehre der nachhaltigste Beitrag ist, den die Institutionen des ETH-Bereichs an die Innovationskraft und die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz leisten können», sagt Dr. Fritz Schiesser, der Präsident des ETH-Rats, und gratuliert den beteiligten Studierenden sowie den involvierten Wissenschafterinnen und Wissenschaftern der EPF Lausanne und der Fachhochschulen. Ebenso gratuliert der ETH-Rat dem Schweizerischen Zentrum für Hochleistungsrechnen (CSCS) zur geglückten Inbetriebnahme des neuen Supercomputers «Monte Rosa» in Manno TI. Dank «Monte Rosa» ist das CSCS in die Top Five der schnellsten Rechenzentren Europas vorgestossen. «Das an der ETH Zürich beheimatete CSCS verdient als das nationale Zentrum für Supercomuting die volle Unterstützung von Wissenschaft, Wirtschaft und Politik», sagt Dr. Fritz Schiesser, der Präsident des ETH-Rats.
Für den ETH-Rat belegen diese sowie zahlreiche andere Projekte die Bedeutung der Natur- und Ingenieurwissenschaften für die Schweiz. Es zeigt sich, dass für den langfristigen Erfolg des «Innovationslands Schweiz» eine gezielte Weiterentwicklung des dualen Bildungssystems und der Beitrag aller Bildungsstufen – von der Berufsbildung über die Fachhochschulen bis zu den universitären Hochschulen und den Forschungsanstalten – wichtig ist.
Mit Blick auf die Politik gratuliert der ETH-Rat Didier Burkhalter zur Wahl als Vorsteher des Eidg. Departements des Innern (EDI) und freut sich auf die Arbeit mit ihm. Administrativ ist der autonome ETH-Bereich dem EDI zugeordnet.
Grossforschungsanlagen geben entscheidende Impulse
Im Rahmen seiner Arbeiten an der Strategischen Planung 2012-16 hat der ETH-Rat die strategische Bedeutung von Grossforschungsanlagen hervorgehoben. Zu diesen Forschungsinfrastrukturen zählt der ETH-Rat aufgrund des laufenden Leistungsauftrags des Bundesrats und ihrer internationalen Bedeutung den Freie-Elektronen-Röntgenlaser «SwissFEL» am PSI und ein schweizweites Supercomputing-Netzwerk mit dem zentralen Petaflops-Supercomputer am Nationalen Zentrum für Hochleistungsrechnen CSCS. Der ETH-Rat unterstützt zudem das Projekt «Bluebrain» der EPFL, welches die Modellierung des menschlichen Gehirns zum Ziel hat. Das anspruchsvolle, internationale Vorhaben soll die bereits herausragende Position der Schweiz in Neurowissenschaften zusätzlich stärken.
Aus der Überlegung, dass kostenintensive, national bedeutende Forschungsinfrastrukturen im Regelfall nicht über die Globalbudgets einzelner Hochschulen und Forschungsinstitutionen finanziert werden können, hat der ETH-Rat beschlossen, für den um das Jahr 2040 aktuell werdenden Rückbau der Beschleunigeranlagen am PSI einen separaten Fonds im Umfang von dereinst rund 70 Mio. CHF direkt in der Bilanz des ETH-Bereichs zu äufnen.
Wahl von 21 Professorinnen und Professoren – Rücktritt von Peter Chen
Mit der Ernennung von drei Professoren mit Doppelaufgaben an der ETH Zürich und am Paul Scherrer Institut (PSI) fördert der ETH-Rat zusätzliche Synergien zwischen den Institutionen des ETH-Bereichs. Die mit diesen Professuren verbundenen Forschungsgebiete der Molekularbiologe, der Strukturbiologie und der Radiopharmazie veranschaulichen die starke Nachfrage der Forschung für die Beschleunigeranlagen des PSI und für den zukünftigen Röntgenlaser «SwissFEL», mit dem sich ultraschnelle, biologische Prozesse dynamisch visualisieren lassen. Insgesamt hat der ETH-Rat am 24. September 21 Professorinnen und Professoren gewählt.
Der ETH-Rat hat an seiner Sitzung vom Rücktritt von Prof. Dr. Peter Chen als Vizepräsident für Forschung und Wirtschaftsbeziehungen der ETH Zürich Kenntnis genommen. Das Management der ETH Zürich verliert eine wichtige, national und international respektierte Forscher- und Führungspersönlichkeit. «Mein persönlicher Dank geht an Peter Chen für seine Leistungen in der Schulleitung der ETH Zürich und für seinen ausgeprägten Sinn für Verantwortung, wovor ich grössten Respekt habe. Der Fall zeigt, dass die Kontrollmechanismen der Wissenschaft und der Hochschulen funktionieren», sagt Dr. Fritz Schiesser, Präsident des ETH-Rats.
Für den ETH-Rat und die Institutionen des ETH-Bereichs sind die Suche nach Wahrheit, ethisches Handeln und Integrität in der Forschung zentrale und unabdingbare Werte der wissenschaftlichen Tätigkeit. Der ETH-Rat hat bereits im Jahr 2004 einen Bericht zur Ethik in der Forschung zur Kenntnis genommen und nach Diskussion am 12. Mai 2004 die beiden ETH beauftragt, Kontrollmechanismen und Verfahren für integres und ethisches Handeln und Forschen zu verankern. Ethik in der Wissenschaft muss nahe bei den Forschenden angesiedelt und gelebt werden. Die beiden Hochschulen sowie die vier Forschungsanstalten hatten dem ETH-Rat in der Folge ihre Lösungen vorgestellt und den Rat überzeugt, dass sie allgemein anerkannte, internationalen Benchmarks umsetzen. Ergänzend hatte der ETH-Rat eine unabhängige Meldestelle (Whistleblowing-Stelle) eingerichtet. Der ETH-Rat dankt der ETH Zürich und allen Betroffenen für das konsequente Handeln auf der Grundlage der erlassenen Regeln und zur Wahrung der Reputation.
Ausländische Absolventinnen und Absolventen für Schweizer Wirtschaft nutzen
Ferner hat der ETH-Rat die Ziele der parlamentarischen Initiative «Erleichterte Zulassung und Integration von Ausländerinnen und Ausländerin mit Schweizer Hochschulabschluss» (08.407) besprochen und die Stossrichtung der Initiative begrüsst. Die angestrebte Revision des Ausländergesetzes würde insbesondere die Zulassung zum Schweizer Arbeitsmarkt für hochqualifizierte Absolventinnen und Absolventen aus Staaten ausserhalb der Europäischen Union oder der EFTA, die ihr Studium oder ihr Doktorat an einer Schweizer Hochschule abgeschlossen haben, erleichtern. Der ETH-Rat befürwortet diese Gesetzesänderung, weil sie zur Behebung des «Ingenieurmangels» in der Industrie beiträgt und Ausländerinnen und Ausländer mit einem Schweizer Hochschulabschluss eine wesentliche Integrationsleistung erbracht haben.
Ausserdem hat der ETH-Rat dem Präsidenten das Mandat erteilt, gestützt auf eine Aussprache des Geschäftsausschusses des ETH-Rats mit den Personalverbänden, die Verhandlungen für die Lohnmassnahmen 2010 aufzunehmen.







